{"id":1248,"date":"2025-12-30T17:02:54","date_gmt":"2025-12-30T16:02:54","guid":{"rendered":"http:\/\/exhibition-telling.com\/?p=1248"},"modified":"2026-01-01T12:21:37","modified_gmt":"2026-01-01T11:21:37","slug":"wir-sind-im-showgeschaeft","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/exhibition-telling.com\/?p=1248","title":{"rendered":"Wir sind im Showgesch\u00e4ft"},"content":{"rendered":"\n<h2>Museumsausstellungen und Spannung<\/h2>\n\n\n\n<p><em>Keynote, gehalten auf der <a href=\"https:\/\/mudac.ch\/de\/helga-2025\/\">HELGA 2025<\/a> (Schweizer Fachtreffen f\u00fcr Szenografie und Kommunikation im Raum), im <\/em><a href=\"https:\/\/mudac.ch\/de\/\">mudac<em> &#8211; Mus\u00e9e cantonal de design et d\u2019arts appliqu\u00e9s contemporains<\/em><\/a><em> (Lausanne)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin Expertin f\u00fcr Spannung. Deshalb beginne ich mit einer Langeweile. Der Langeweile, die ich oft sp\u00fcre, wenn ich in Ausstellungen gehe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin seit fast drei\u00dfig Jahren als Kuratorin unterwegs, ich habe sehr viele Ausstellungen gesehen, und nat\u00fcrlich ist es nicht leicht, mich zu \u00fcberraschen. Also eine Art <em>d\u00e9formation professionnelle<\/em>. Aber einmal davon abgesehen. Heute soll es um den Grund f\u00fcr meine Langeweile gehen, den ich viel schwieriger zu fassen bekomme, der mich aber schon lange umtreibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht mir nicht darum, auf andere Ausstellungsmacher:innen zu zeigen. Es geht mir um das <em>eigene<\/em> Ringen darum, eine gute Geschichte zu erz\u00e4hlen. Eine Ausstellung zu kreieren, die andere Menschen etwas angeht, sie nicht kaltl\u00e4sst, etwas bei ihnen in Bewegung setzt, sie ber\u00fchrt oder sie fr\u00f6hlich ein Liedchen pfeifen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Es soll um die Grenze gehen, die <em>ich<\/em> denke, \u00fcberschreiten zu m\u00fcssen, immer h\u00e4ufiger und immer mutiger, um zu einer guten, einer besseren Geschichtenerz\u00e4hlerin zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu diesem Zweck m\u00f6chte ich euch, m\u00f6chte ich Ihnen von Momenten erz\u00e4hlen, die mich pers\u00f6nlich in meinem Suchen weitergebracht haben. Ich habe diesen Vortrag als Einladung verstanden zu versuchen, diese Punkte sinnvoll miteinander zu verbinden. Vielleicht gewinnt das, worum ich ringe, dadurch sch\u00e4rfere Konturen \u2013 wir werden sehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/zb_pferd.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/zb_pferd-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1249\" srcset=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/zb_pferd-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/zb_pferd-300x225.jpg 300w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/zb_pferd-768x576.jpg 768w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/zb_pferd-1536x1152.jpg 1536w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/zb_pferd-1088x816.jpg 1088w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/zb_pferd.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Moment Nr. 1<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Vor etwa zehn Jahren hielt ich am Stapferhaus in Lenzburg einen Vortrag. In einer Kaffeepause erz\u00e4hlte ich einer Kollegin, dass ich die Ausstellungen in den Niederlanden spannender finden w\u00fcrde als die deutschen. Ich hatte um die Jahrtausendwende an der Reinwardt Akademie in Amsterdam einen Kurs in Ausstellungsdesign besucht und die Gelegenheit genutzt, viele Museen anzuschauen. Ich war absolut begeistert gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum, fragte sie. Ich hatte keine Antwort parat. Mir war nur dieses Gef\u00fchl der Begeisterung geblieben. Also fuhr ich noch einmal hin, um herauszufinden, was genau mich damals so gepackt hatte. Und fand es nicht mehr. Es war verlorengegangen. Im Professionalisierungsprozess auf der Strecke geblieben.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Blinds.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"491\" height=\"300\" src=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Blinds.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1250\" srcset=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Blinds.jpg 491w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Blinds-300x183.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 491px) 100vw, 491px\" \/><\/a><figcaption>\u00a9 Seven.One Entertainment Group GmbH\/joyn<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Professionalisierungsprozess: Jamie-Lee Kriewitz&#8216; erster Auftritt bei &#8222;the voice&#8220;&#8230; <\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/finale3-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"491\" height=\"276\" src=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/finale3-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1271\" srcset=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/finale3-1.jpg 491w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/finale3-1-300x169.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 491px) 100vw, 491px\" \/><\/a><figcaption>\u00a9 Getty Images<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>&#8230; und ihr Auftritt beim Finale, drei Monate sp\u00e4ter<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich erinnerte mich noch dunkel an eine Ausstellung im Theatermuseum Amsterdam, ganz aus Sperrholz gebaut. Heute nichts Besonderes, damals eine Revolution. Oder das Kindermuseum des J\u00fcdischen Historischen Museums, in dem ich mit hei\u00dfen Wangen herumgelaufen war, durch eine Art Wohnung, in der K\u00fcche hatte ich mit anderen Besucher:innen Matze gebacken.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Messy<\/em>.<br>Nicht glatt, nicht geleckt, nicht perfekt. Rumpelig, splitterig.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Messy<\/em>, dieses Wort bringt am besten zum Ausdruck, was damals etwas in mir zum Schwingen gebracht hatte \u2013 und was ich nun nicht wiederfand.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Moment Nr. 2<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Als ich begann, Geschichten zu erforschen, entdeckte ich die Schriften von Mieke Bal. Der Kulturwissenschaftlerin, die eigentlich von der Erz\u00e4hlwissenschaft her kommt und sich intensiv mit Ausstellungen auseinandergesetzt hat. Ich f\u00fchrte buchst\u00e4blich einen Freudentanz auf, weil ich eine Schwester im Geiste gefunden hatte, die, wie ich, Ausstellungen konsequent als Geschichten versteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Bal stie\u00df ich auf einen Satz: \u201eRisiko: die Bereitschaft, Verlusten ins Gesicht zu blicken und das Gesicht zu verlieren, ist bei jedem akademischen Unterfangen unentbehrlich.\u201c (<em>Mieke Bal: Kulturanalyse<\/em>, hg. von Thomas Fechner-Smarsly u. Sonja Neef, Frankfurt\/M. 2006: S. 71)<\/p>\n\n\n\n<p>Vereinfacht: Wissenschaft bedeutet den Mut, das Gesicht zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist wichtig!<\/p>\n\n\n\n<p>Damals war ich noch unsicher, ob ich Ausstellungen tats\u00e4chlich mit Hollywoodfilmen vergleichen sollte. In Lenzburg, zum Beispiel, sagte ein Kollege nach meinem Vortrag, das k\u00f6nne man doch nicht machen! So hat er es nicht gesagt, aber das war die Botschaft. Hollywoodfilme seien doch ideologisch aufgeladen, w\u00fcrden ein bestimmtes, in sich geschlossenes Weltbild vermitteln, eine allgemeing\u00fcltige Wahrheit suggerieren. Ausstellungen hingegen, gerade durch ihre Br\u00fcchigkeit, seien hervorragend geeignet, verschiedene Meinungen zuzulassen, wollten bewusst Leerstellen und Denkanst\u00f6\u00dfe produzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Solche Kommentare verunsicherten mich damals.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann stie\u00df ich auf diesen Satz:<\/p>\n\n\n\n<p>Wissenschaft bedeutet den Mut, das Gesicht zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich verstand, dass ich mich auf den Erkenntnisgewinn konzentrieren musste, den <em>ich<\/em> mir von diesem Vergleich versprach. Ich hoffte, dass gerade, <em>weil<\/em> Hollywoodfilme und Ausstellungen so verschieden sind, ich die Geschichtenhaftigkeit von Ausstellungen besser verstehen w\u00fcrde. Das ist tats\u00e4chlich eingetreten, aber das konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sicher wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der entscheidende Punkt war, mich nicht danach zu richten, was meine Kolleg:innen dachten. Wir sind alle soziale Wesen, und es ist mir \u00fcberhaupt nicht egal, was andere von mir denken. Aber ich versuche, mich in meiner Arbeit nicht danach zu <em>richten<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Moment Nr. 3<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich wurde eingeladen, damit beauftragt, in Italien, in S\u00fcdtirol, ein Museum mit aufzubauen. Ein Hausmuseum, eine alte Villa (die \u201eVilla Freisch\u00fctz\u201c, das Museum gibt es jetzt seit sechs Jahren), in der ein sehr reicher Kunstsammler gewohnt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Auftraggeberinnen und ich wir waren uns einig, dass es ein lebendiges Museum werden sollte. Aber ich hatte zuvor noch nie ein Hausmuseum kuratiert, also orientierte ich mich an den Standards und verbrachte viel Zeit damit, die urspr\u00fcngliche Nutzung zu rekonstruieren. In einer Tagebuchnotiz war der Winkel des Sonneneinfalls am fr\u00fchen Morgen beschrieben \u2013 hatte dort das Bett des Sammlers gestanden? Usw. usf.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann entdeckte ich die \u201eHausmuseums-Anarchisten\u201c, vor allem Franklin Vagnone. Das war f\u00fcr mich <em>mind-blowing<\/em> und ver\u00e4nderte meine Arbeit stark. Den entscheidenden Moment fand ich in Vagnones Blog. Dort ver\u00f6ffentlicht er seine \u201eOne-Night-Stands\u201c: er l\u00e4sst sich von Hausmuseen einladen und verbringt dort eine Nacht, recherchiert zum Haus und zur Umgebung und beschreibt dann seine Eindr\u00fccke, eng verwoben mit seiner pers\u00f6nlichen Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt den einen Bericht zum Kew Palace in London. Vagnone beschreibt, wie er durch die pr\u00e4chtigen, perfekt gepflegten G\u00e4rten wandelt und dann zum Palast kommt, mit seinen verwitterten R\u00e4umen. Er schreibt: \u201e\u2026das Haus durfte ehrlicher sein [ehrlicher als die G\u00e4rten, meint er] und uns, die Besucher, mit Respekt behandeln. Ich hatte nicht das Gef\u00fchl, dass der Palast versuchte, etwas zu sein, was er nicht war\u2026\u201c (<a href=\"https:\/\/twistedpreservation.com\/2018\/09\/28\/one-night-stand-poetry-of-four-pears\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/twistedpreservation.com\/2018\/09\/28\/one-night-stand-poetry-of-four-pears\/<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<p>Diese S\u00e4tze dr\u00fccken f\u00fcr mich aus, was es bedeutet, auf Augenh\u00f6he mit den Besucher:innen zu sein: n\u00e4mlich nicht zu versuchen, etwas anderes darzustellen als <em>ich<\/em> tats\u00e4chlich bin. Nicht schlauer, nicht gebildeter, aber auch nicht uninformierter als ich bin.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Moment Nr. 4<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df nicht, wer von euch und Ihnen das Quiz \u201eWer stiehlt mir die Show?\u201c kennt? Ich bin dort eines Tages zuf\u00e4llig auf YouTube hineingeraten, fand es so semi-spannend, aber wie es so ist, habe ich weitergeschaut. Das Prinzip ist, dass der Gewinner oder die Gewinnerin Joko Winterscheidt, dem Quizmaster, die Show stiehlt und das n\u00e4chste Mal dann selbst moderiert, ganz so, wie er oder sie es m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie gesagt, ich fand das alles eher weniger spannend \u2013 bis Olli Schulz in der vierten Staffel die Show gewonnen hat. Olli Schulz, der S\u00e4nger, auch bekannt von seinem Podcast mit Jan B\u00f6hmermann. Die Sendung hat mich umgehauen. Ich dachte wirklich, jetzt wird das Fernsehen revolutioniert. Das ist zwar nicht passiert, aber in dem Moment war ich wie elektrisiert.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Olli_Schulz.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1000\" height=\"750\" src=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Olli_Schulz.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1254\" srcset=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Olli_Schulz.jpg 1000w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Olli_Schulz-300x225.jpg 300w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Olli_Schulz-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><figcaption>\u00a9 Seven.One Entertainment Group GmbH\/joyn<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Deshalb, weil Olli Schulz die Sendung so pers\u00f6nlich moderiert hat, so nahbar war. Wir haben nichts aus seinem Leben erfahren, das meine ich nicht mit \u201epers\u00f6nlich\u201c. Aber ein Grund war, dass er sich mit seinen Unzul\u00e4nglichkeiten gezeigt hat: sein Anfangsauftritt brachte ihn v\u00f6llig aus der Puste, ihm fiel das Mikro aus der Hand, er gab zu, den Teleprompter nicht lesen zu k\u00f6nnen. Das bedeutet nicht, dass er das Ganze unprofessionell gestaltet h\u00e4tte. Er war zum Beispiel wahnsinnig gut vorbereitet, was die anderen Kandidat:innen angeht und stellte ihnen viele unterhaltsame Fragen zu ihrer Arbeit usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Erst jetzt \u2013 ich habe mir die Sendung f\u00fcr die Keynote noch einmal angeschaut \u2013 habe ich begriffen, was diese Nahbarkeit und das Gro\u00dfartige noch ausmachte. Olli Schulz hat die Sendung wie eine gro\u00dfe Reminiszenz ans gute alte Fernsehen gestaltet. Er hat <em>seine Liebe<\/em> f\u00fcrs Fernsehen mit hineingetragen in seine Perfomance, mit voller Wucht, und an das Publikum weitergereicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das f\u00fchrt mich zum letzten Moment, den ich mit Ihnen und euch teilen m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Moment Nr. 5<\/em>: Die Briefe von Van Gogh.<\/p>\n\n\n\n<p>Oder besser, wie Brenda Ueland, Autorin und Lehrerin f\u00fcr kreatives Schreiben, sie in \u201eIf you want to write\u201c (1938\/2007) beschreibt. Ueland wollte verstehen, worin der kreative Impuls, die Motivation f\u00fcr k\u00fcnstlerisches Schaffen besteht. Im Fall von Van Gogh sei das seine Liebe zu den Menschen gewesen und seine Liebe zu den Dingen. Sie erz\u00e4hlt von einem Brief, den er an seinen Bruder Theo schrieb. In diesem beschreibt Van Gogh die Abendd\u00e4mmerung und wie sch\u00f6n eine Stra\u00dfenlaterne und ein Stern aussehen w\u00fcrden \u2013 und dann zeichnet er Laterne und Stern auf das billige Briefpapier.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/MuseumVG.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"795\" src=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/MuseumVG-1024x795.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1255\" srcset=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/MuseumVG-1024x795.jpg 1024w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/MuseumVG-300x233.jpg 300w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/MuseumVG-768x596.jpg 768w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/MuseumVG-1088x844.jpg 1088w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/MuseumVG.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>\u00a9 Van Gogh Museum, Amsterdam (Vincent van Gogh Stichting)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Hier ein Brief von Van Gogh mit einer gezeichneten Zikade<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ueland schreibt, zuvor h\u00e4tte sie gedacht, beim bildnerischen Arbeiten m\u00fcsse man die verschiedenen Schulen kennen, die Traditionen studieren, das Ganze sehr ernst nehmen und versuchen, \u201einteressante Ebenen\u201c in ein Gem\u00e4lde zu bringen \u2013 auf die Konventionen achten.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt verstand sie, was Kunst wirklich ausmacht: ein Gef\u00fchl der Liebe und der Begeisterung f\u00fcr etwas zu sp\u00fcren und dieses auf direkte, einfache, leidenschaftliche und wahrhaftige Art und Weise auszudr\u00fccken. Die Sch\u00f6nheit der Dinge anderen zu vermitteln \u2013 in diesem Fall durch das Zeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Fall von Olli Schulz durch das Moderieren einer Quizshow.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-background has-pale-pink-background-color has-pale-pink-color is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<p>Es gibt eine Beschreibung, die ich irgendwo einmal geh\u00f6rt habe, wie Ausstellungen verstanden werden k\u00f6nnen: als B\u00fchne, auf der die Personen von damals ihre Requisiten vergessen haben. F\u00fcr mich funktioniert dieses Bild wahnsinnig gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn beim Storytelling mit Ausstellungen geht es darum, die Personen wieder auf die B\u00fchne zur\u00fcckzuholen. Zu zeigen, wie sie agieren und sich zueinander verhalten (auch mit Hilfe von Objekten, aber mir geht es hier vor allem um die Handlung, das <em>Drama<\/em>).<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Theaterszene.jpeg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"672\" src=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Theaterszene-1024x672.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1256\" srcset=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Theaterszene-1024x672.jpeg 1024w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Theaterszene-300x197.jpeg 300w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Theaterszene-768x504.jpeg 768w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Theaterszene-1536x1008.jpeg 1536w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Theaterszene-1088x714.jpeg 1088w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Theaterszene.jpeg 1596w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>\u00a9 Deutsche Fotothek (Fotograf: Abraham Pisarek) <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Man kann die Figuren abstrakt darstellen, als Stellvertreter:innen f\u00fcr gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse, als Metaphern f\u00fcr ich wei\u00df nicht was. Dann wird man ein eher kleines Publikum ansprechen, das Freude hat an der intellektuellen Entschl\u00fcsselung, an der Entzifferung der Chiffren.<\/p>\n\n\n\n<p>Will man aber ein breites Publikum ansprechen, ein vielf\u00e4ltiges \u2013 dann hilft es, die Figuren als Menschen darzustellen. Als wundervolle Menschen, mutige Menschen, von denen wir uns eine Scheibe abschneiden wollen, aber auch als \u00e4ngstliche, unvollkommene Menschen, denen das Mikro aus der Hand f\u00e4llt, die Fehler machen und von Zweifeln geplagt sind. Denn so kann sich <em>dieser<\/em> einzelne Zuschauer und <em>diese<\/em> einzelne Zuschauerin mit dem, was dort oben auf der B\u00fchne passiert, verbinden: Was werden die da oben <em>als N\u00e4chstes<\/em> tun? Was haben die dort, von denen ich in der Ausstellung erfahre, <em>dann<\/em> erlebt? Das bedeutet Spannung.<\/p>\n\n\n\n<p>Und es hilft, wenn das Leben gezeigt wird, wie es wirklich ist, n\u00e4mlich <em>messy<\/em>. Rumpelig und splitterig, und nicht geleckt und nicht perfekt. Weil das Leben von uns allen nicht perfekt ist. Das ist eine Frage des Respekts vor dem Publikum, so meine ich.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wenn wir so ein St\u00fcck inszenieren, dann sollten wir uns nicht fragen \u201eWIE MAN DAS MACHT\u201c, wir sollten unser Handwerk beherrschen, es jederzeit wie ein Schweizer Taschenmesser in der Hosentasche parat haben. Aber wenn wir es einsetzen, sollten wir unsere Kolleg:innen, \u201edie Fachwelt\u201c ausblenden und uns nur am Erkenntnisgewinn orientieren, den das Publikum aus der Inszenierung ziehen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Und daf\u00fcr k\u00f6nnen wir uns fragen, was <em>uns<\/em>, als Macher:innen, das Ganze bedeutet. Wor\u00fcber stolpern <em>wir<\/em>? Was begeistert <em>uns<\/em>? Wo sitzt <em>unser<\/em> Zorn? Welche Frage bleibt f\u00fcr <em>uns<\/em> offen? Das schw\u00e4cht in keinster Weise unsere Professionalit\u00e4t. Im Gegenteil \u2013 es macht uns zu guten Geschichtenerz\u00e4hler:innen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Grafik_Ariane_Karbe.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Grafik_Ariane_Karbe-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1295\" srcset=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Grafik_Ariane_Karbe-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Grafik_Ariane_Karbe-300x225.jpg 300w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Grafik_Ariane_Karbe-768x576.jpg 768w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Grafik_Ariane_Karbe-1536x1152.jpg 1536w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Grafik_Ariane_Karbe-1088x816.jpg 1088w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Grafik_Ariane_Karbe.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Geschichtenerz\u00e4hlen bedeutet den Mut, das Gesicht zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausstellungsmachen bedeutet den Mut, das Gesicht zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Mudac_HELGA_25-1536x2304-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Mudac_HELGA_25-1536x2304-1-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1264\" srcset=\"http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Mudac_HELGA_25-1536x2304-1-683x1024.jpg 683w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Mudac_HELGA_25-1536x2304-1-200x300.jpg 200w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Mudac_HELGA_25-1536x2304-1-768x1152.jpg 768w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Mudac_HELGA_25-1536x2304-1-1024x1536.jpg 1024w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Mudac_HELGA_25-1536x2304-1-1365x2048.jpg 1365w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Mudac_HELGA_25-1536x2304-1-1088x1632.jpg 1088w, http:\/\/exhibition-telling.com\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Mudac_HELGA_25-1536x2304-1.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/a><figcaption>\u00a9 Mus\u00e9e cantonal de design et d\u2019arts appliqu\u00e9s contemporains<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Museumsausstellungen und Spannung Keynote, gehalten auf der HELGA 2025 (Schweizer Fachtreffen f\u00fcr Szenografie und Kommunikation im Raum), im mudac &#8211; Mus\u00e9e cantonal de design et d\u2019arts appliqu\u00e9s contemporains (Lausanne) Ich bin Expertin f\u00fcr Spannung. 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